14.09.2011, Wochenkurier Torgau

Da machen wir das Heim eben zu

"Da machen wir das Heim eben zu"
Vera M. Besler (r.) und Monika Finn sind die „Katzenmuttis“ von Arzberg. Rund 80 Tiere sind derzeit im Heim untergebracht. Foto: R. Schlippe
13.09.2011

Arzberg.

Im Tierheim Arzberg fehlen die freiwilligen Helfer / ein Nachfolger für Vera M. Besler ist nicht in Sicht
Es gibt es nun satte zehn Jahre, das Tierheim in Arzberg. Doch die Arbeit zum Wohl der bepelzten, stachelnden oder gefiederten Insassen wird immer frustrierender.
„Wir haben keinen Tag frei, arbeiten von 8 bis im Sommer 22 Uhr durch“, klagt Vera M. Besler. Die 56-jährige Leiterin und staatlich anerkannte Erzieherin gilt als eine der Mütter der Einrichtung, die vom Tierschutzverein Arzberg getragen wird. Der hatte einst 72 Mitglieder. 21 sind davon übrig geblieben. Sechs davon aktiv. Da brechen die Helfer stetig weg.
Doch auf die kann man in Arzberg nicht verzichten, wenn die Arbeit Vera M. Besler und ihrer Mitstreiterin Monika Finn (56) nicht über den Kopf wachsen soll. Dabei betreut man im Heim rund 80 Katzen, diverse Igel, sieben Wellensittiche, vier Kaninchen, vier Tauben und einen Ganter. Und das alles mit Hilfe von Spenden, Tierpaten, Pension und Lotto-Geldern, die die Landesdirektion zuweist.
Die Einnahmen beliefen sich so 2010 auf 63.000 Euro. Dem stehen Ausgaben von 59.000 Euro gegenüber, 14.000 allein für Tierarztkosten. Wasser, Öl zum Heizen und Futter schlagen außerdem zu Buche. Möhren, Salat und Rüben werden auf dem 4.500 Quadratmeter großen Gelände angebaut, Heu wird gemacht und in der Scheune von Vera M. Besler gelagert. Dazu müssen Hecken und Sträucher verschnitten und der Kräutergarten gepflegt werden. Zahlreiche Telefonate und der ganze Papierkram kommen hinzu. Zuviel für zwei Frauen. Vor einigen Jahren kam Unterstützung durch die so genannten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM). In Hochzeiten halfen sechs ABM-Kräfte im Tierheim aus.
Heute sind Vera M. Besler und Monika Finn, eine gelernte Zoo-Fachverkäuferin und Schatzmeisterin des Tierschutzvereins, schon froh, wenn ihnen die Torgauer Arbeitsagentur eine einzige Ein-Euro-Jobberin gewährt.
Die fällt wegen eines Arbeitsunfalls derzeit allerdings noch aus.
Katzen kommen dagegen kontinuierlich aus der gesamten Region, aus Torgau, Belgern, Schildau, dem benachbarten Brandenburg und dem gesamten ostelbischen Bereich. Allein die Kastrationskosten gehen in die Tausende.
„Doch nur so lässt sich“, lautet der Rat der „Katzenmuttis“ an private Halter, „der immer wieder freigesetzte Nachwuchs verhindern.“
Im Tierheim Arzberg kommt man gerade so über die Runden. Alarmierend ist allerdings die geringe Zahl von Katzen, die seit einiger Zeit eine neue Heimat finden.
„Die Vermittlungsrate ist dramatisch gesunken“, bedauert Monika Finn. „Dadurch können wir kaum noch weitere Tiere aufnehmen.“ 37 Tiere verließen in diesem Jahr das Heim.
Doch weit größere Sorge bereitet den beiden Frauen die Nachfolgeregelung. Weit und breit ist niemand in Sicht, der genügend Tierliebe besitzt, den immer gleichen Arbeitsalltag zu bewältigen. Tag für Tag. Das ganze Jahr.
„Wir bräuchten einen Sponsor“, sinniert Vera M. Besler, „der pro Monat 1.000 Euro übrig hat. Da könnten wir erst einmal zwei Hilfskräfte einstellen.“
Ihre Nachfolgersuche wäre damit natürlich nicht vom Tisch.
„Da machen wir das Heim eben zu“, gibt Vera M. Besler eine düstere Prognose.

Rainer Schlippe